Eva Viehoff: Rede zur Weiterentwicklung der Pflegeausbildung in Niedersachsen
TOP 23 - Pflegeausbildung in Niedersachsen weiterentwickeln und erweiterte Pflegekompetenzen verlässlich umsetzen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Die professionelle Pflege ist das Herzstück unserer solidarischen Gesellschaft, kein Randthema. Über 620.000 Menschen in Niedersachsen sind heute auf pflegerische Unterstützung angewiesen. Das ist nicht einfach eine Zahl – hinter dieser Zahl stehen menschliche Schicksale, Familien und engagierte Pflegekräfte, die täglich Herausragendes leisten. Nicht nur für uns Grüne ist Pflege ein tragender Grundpfeiler unseres Gemeinwesens. Deshalb bringen SPD und GRÜNE heute einen Antrag ein, der die Pflegeausbildung in Niedersachsen vorausschauend, qualitätsgesichert und mit echter Wertschätzung weiterentwickeln will.
Niedersachsen hat hier schon einiges vorzuweisen - durch die Unterstützung der generalistischen Pflegeausbildung, den Pflegeausbildungsfonds und Ombudsstellen gegen Ausbildungsabbrüche haben wir bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Das wirkt! So waren im Jahr 2024 knapp 15.000 Auszubildende in der generalisierten Pflegeausbildung und bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sehen wir eine Steigerung um 6,0 Prozent. Also: Viele Menschen wollen Verantwortung in den Pflegeberufen übernehmen!
Als SPD und Grüne wissen wir genau: Eine steigende Bereitschaft verlangt von uns auch die Pflicht, gute Rahmenbedingungen in der Ausbildungspraxis zu garantieren. Gute Pflege darf kein Zufall sein, sondern braucht verbindliche Qualitätsstandards überall im Land.
Unser Antrag setzt genau hier an:
Wir wollen die praktische Ausbildung weiter stärken und dafür Sorge tragen, dass die gesetzlich refinanzierten Praxisanleitungszeiten nicht im hektischen Stationsalltag untergehen, sondern verlässlich für Ausbildungszwecke zur Verfügung stehen. Gleichzeitig liegen uns Lernformen wie Skills Labs und Simulationstrainings am Herzen.
Wir befürworten durchlässige Bildungswege. Aber auch dies braucht Verlässlichkeit. Dies ist für die Pflegeassistenzausbildung besonders wichtig. Und daher darf Flexibilität niemals auf Kosten der Qualität gehen. Auch bei verkürzten Zugängen und Vorbereitungskursen nach § 11 Abs. 2 PflFAssG brauchen wir landesweit einheitliche Qualitätsmaßstäbe, verlässliche Praxisanleitungen und hohe Standards für die Patientensicherheit. Zudem wollen wir Rehabilitationskliniken gezielt für Modelle in der Pflegeassistenzausbildung einsetzen, um wohnortnahe Ausbildungsplätze zu sichern.
Unsere gut ausgebildeten Pflegekräfte verfügen über umfassendes Fachwissen, das sie eigenständig im Versorgungsalltag einsetzen dürfen. Für noch mehr Klarheit gestalten wir die Umsetzung des Gesetzes zur Befugniserweiterung (BEEP) in Niedersachsen rechtssicher und etablieren transparente Standards zur staatlichen Kompetenzfeststellung, damit Pflegefachpersonen die eigenverantwortlichen Aufgaben übernehmen können, für die sie qualifiziert sind.
Medizinische Versorgung funktioniert in gleichberechtigten Teams. Mit Blick auf die Akademisierung wollen wir weiter prüfen, wie der bedarfsgerechte Ausbau von Kapazitäten gelingen kann. So schaffen wir attraktive Karriereperspektiven in der Versorgung.
Und schlussendlich wollen wir eine institutionalisierte und eigenständige Beteiligung der Pflegeprofession an landespolitischen Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen umsetzen.
Mit diesem Antrag erreichen wir, dass sowohl die Pflegeausbildung als auch die Pflege an sich in Niedersachsen sicher, verlässlich und zukunftsfähig bleiben.