Eva Viehoff: Rede zur Palliativ- und Hospizversorgung (Antrag AfD)
Top 27 Antrag (AFD) zur Palliativ- und Hospizversorgung
- Es gilt das gesprochene Wort -
<Anrede>
wer den blumigen Titel dieses AfD-Antrages liest – „Würde am Lebensende darf nicht vom Wohnort abhängen“ – könnte glauben, es gehe der AfD um Menschlichkeit, um Entlastung der Pflegekräfte oder um die Würde schwerstkranker Menschen.
Schaut man genauer hin, zeigt sich jedoch: Hinter der Fassade der Fürsorge verbirgt sich ein gigantisches, praxisfernes Bürokratiemonster.
Gefordert werden ein jährlich fortzuschreibender Versorgungsbericht, ein detaillierter digitaler Versorgungsatlas, einheitliche Kennzahlen, neue Meldewege, Schwellenwerte, Evaluationen, starre Fristen, Frühwarnsysteme und Sonderberichte.
<Anrede>
Was ist das anderes als Dokumentationswahn in Reinkultur?
Während Pflegekräfte und Ehrenamtliche in unseren Hospizen Tag für Tag Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten, fällt der AfD nichts Besseres ein, als einen zusätzlichen staatlichen Melde- und Kontrollapparat aufzubauen.
Daten zu erheben, ist nicht grundsätzlich falsch. Aber dann müssen bestehende Systeme genutzt und zusätzlicher Verwaltungsaufwand finanziell und personell abgesichert werden. Denn jede zusätzliche Dokumentationspflicht bindet wertvolle Arbeitszeit – Arbeitszeit, die am Bett der Patientinnen und Patienten fehlt.
Das eigentliche Defizit dieses Antrages liegt aber noch tiefer: Die AfD hat die Arbeitsrealität professioneller Pflege schlicht nicht verstanden.
Was nützt ein digitaler Versorgungsatlas mit bunten Grafiken, wenn kaum darüber gesprochen wird, wie wir qualifizierte Pflegefachpersonen gewinnen und halten, Palliative-Care-Weiterbildungen finanzieren und eine verlässliche Personalausstattung sicherstellen?
In unseren Hospizen arbeiten hochspezialisierte Pflegekräfte. Sie brauchen Zeit für Zuwendung, Schmerztherapie und Begleitung – und nicht noch eine zusätzliche Eingabemaske für ein AfD-Frühwarnsystem.
Und wer die Hospizlandschaft wirklich stärken will, muss auch über die laufende Refinanzierung und Personalkosten sprechen. Steigende Personalkosten lassen sich nicht dauerhaft durch Spenden auffangen.
<Anrede>
Deshalb lautet unser Auftrag klar: Wir müssen die Hospiz- und Palliativversorgung dort stärken, wo sie gebraucht wird – bei den Menschen, bei den Pflegekräften und bei den Einrichtungen. Wir brauchen weniger Bürokratie und mehr Zeit für gute Versorgung. Genau dafür werden wir uns einsetzen.
Vielen Dank.