Elbe-Weser-Raum Landarztqoute der Landesregierung täuscht Aktivtäten vor

Der Beruf als Landarzt oder Landärztin ist für viele Medizinstudierende nicht attraktiv. © pixabay

„Die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum muss nachhaltig verbessert werden“, sagt Eva Viehoff, Grüne Landtagsabgeordnete aus Loxstedt. Das Gesundheitssystem stehe vor einem grundlegenden Wandel. "Die ländlichen Regionen spüren das schon jetzt", so Viehoff.

Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU haben sich offenbar beim Thema Landarztquote geeinigt. Demnach sollen spätestens zum Wintersemester 2021/22 etwa 10% der Medizinstudienplätze an Studierende vergeben werden, die sich im Gegenzug dazu verpflichten, nach dem Studium als Hausärztin oder Hausarzt auf dem Land zu arbeiten.

Diese Angebote führen nach Eva Viehoff nicht zwingend zu einem gesteigerten Interesse, sich als Ärzt*in auf dem Land niederzulassen. „Im Elbe-Weser-Raum gibt es einige Initiativen, um junge Ärzt*innen zu gewinnen", weiß Eva Viehoff. Sie nennt Stipendien für Medizinstudierende mit der Verpflichtung als Landärzt*innen eine gewisse Zeit tätig zu sein oder Investitionszuschüsse für die Eröffnung oder Übernahme einer Praxis im ländlichen Raum.

„Dreh- und Angelpunkt sind bei uns in der Region auch die Arbeitsbedingungen. Sie machen derzeit den Beruf unattraktiv", so Eva Viehoff, "und hier müssen wir deutlich attraktiver werden, um die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nachhaltig zu verbessern“.

„Wir müssen diesen Wandel mit einer klaren Zielrichtung so gestalten, dass alle Menschen auch zukünftig im ambulanten und stationären Bereich gut versorgt sind. Und es müssen gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Gesundheitswesen hergestellt werden“, betont Meta Janssen-Kucz, gesundheitspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion.

Die Landarztquote ändere nichts daran. Angehende Mediziner*innen wünschten sich flexible Arbeitszeiten, Teamwork und eine ausgeglichene Work-Life-Balance. „Das alles ist mit einer hausärztlichen Tätigkeit auf dem Land häufig nicht vereinbar. Notwendig ist die Änderung der Rahmenbedingungen im Medizinstudium und im Arbeitsalltag der Ärzt*innen“, so Meta Janssen-Kucz.

Sowohl Eva Viehoff als auch Meta Janssen-Kucz sehen in der Einführung einer Landarztquote mehr Aktionismus als eine Lösung des Problems. „Die Einigung täuscht Aktivitäten der rot-schwarzen Landesregierung vor, die nicht bei den Patient*innen ankommen“, sind sich Eva Viehoff und Meta Janssen-Kucz einig.

Meta Janssen-Kucz: „Die vom Marburger Bund vorgestellte Studie über die Arbeitsbelastung spricht eine deutliche Sprache“.

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