Statement Grüne fordern Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Niedersachsen

Zu dem von den Grünen in den Landtag eingebrachten Antrag „Koloniales Erbe- gesellschafts- und kulturpolitische Aufarbeitung in Niedersachsen weiter verstärken“ (TOP 29, 16.09.2020) sagt Eva Viehoff, kultur- und wissenschaftspolitische Sprecherin:

Im Gegensatz zu anderen Zeiten der deutschen Geschichte findet eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit bislang kaum statt. In unseren Schulen wird die deutsche Kolonialgeschichte fast gar nicht im Unterricht behandelt. An unseren Universitäten wird dazu kaum geforscht. Auch ein Jahrhundert nach Ende der deutschen Kolonialzeit befinden sich in niedersächsischen Museen und ethnologischen Sammlungen weiterhin Kulturgüter und naturwissenschaftliche Objekte, die aus anderen Ländern geraubt worden sind und uns nicht gehören. Sowohl mit Straßennamen und Denkmälern von damaligen Kolonialherren als auch mit unbewussten und teils leider auch bewussten rassistischen Denkmustern ist die Kolonialzeit immer noch in unserem Alltag präsent und führt zur Diskriminierung von Bürger*innen dieses Landes.

Wir müssen daher endlich landesweit an Ausbeutung, Vertreibung und Mord im Namen Deutschlands in dieser Zeit erinnern. Wir müssen uns des Einflusses dieser Zeit bis in unseren heutigen Alltag hinein bewusstwerden. Wir fordern daher von der Landesregierung eine umfassende Aufarbeitung der Kolonialzeit und von Alltagsrassismus in Schule, Wissenschaft, Museen, Verwaltung und Gesellschaft in Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften und den Nachfahren kolonisierter Menschen in Deutschland. Keiner von uns, die wir heute in Deutschland leben, hat Schuld an dem, was zur deutschen Kolonialzeit passiert ist. Aber wir haben jetzt die Verantwortung auch diesen Teil der deutschen Geschichte aufzuarbeiten!

Hintergrund:

Basierend auf einem öffentlichen Fachgespräch im September 2019 hat die Grüne Landtagsfraktion in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen aus Museen, Forschung und Zivilgesellschaft einen umfangreichen Antrag zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes und von historisch begründeten Alltagsrassismus erarbeitet. Ein Webinar über die notwendigen nächsten Schritte der Landesregierung findet am 25. September von 17 bis 19 Uhr statt. 

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